2:1 Sieg gegen Regionalliga Absteiger Türkspor DTM

Sonntag, 12. Oktober 2025 · 15:30 UhrOberliga Westfalen, 10. Spieltag
90

Last Minute Herrmann schlägt in der 95min wieder zu

Spielbericht vom 12. Oktober 2025

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    Es war wieder einer dieser Spieltage, an denen man das Phrasenschwein gut hätte füttern können: „Ein Spiel dauert 90 Minuten“ oder „Es ist erst vorbei, wenn der Schiedsrichter abpfeift“ – beide Sprüche hätten perfekt gepasst. Doch auch der Satz „Luca Herrmann wird’s schon richten“ hätte diesmal einen Fünfer verdient. Am Ende brachte es aber Gordon Meyer auf den Punkt: „Wir können, glaube ich, nur spannend.“ Und er hatte recht. Wer ein Herz für Dramatik hat, kam in der H&R-Arena am Bamenohler Schloss erneut voll auf seine Kosten. Wie schon so oft in dieser Saison entschied die SG FinnBam ihr Oberliga-Spiel buchstäblich in letzter Sekunde.

    Früher Wirbel und erste Aufreger

    Schon in der ersten Minute ging es heiß her. Die Zuschauer forderten lautstark Rot für die Gäste aus Dortmund, nachdem Danielle Werlein auf dem Weg zum Tor nur durch ein Foul gestoppt werden konnte. Der Unparteiische ließ jedoch weiterspielen. Kurz darauf – nach nur fünf Minuten – jubelte Türkspor Dortmund vermeintlich über das 1:0. Amed Öncel hatte den Ball im Netz versenkt, doch die Freude währte nur kurz: Der Linienrichter hob die Fahne, und nach kurzer Rücksprache entschied Schiedsrichter Nico Thielmann auf Abseits. Während Türkspor noch mit der Entscheidung haderte, nutzte die SG die Situation eiskalt. Anas Akhabach erlief einen zu kurzen Rückpass auf Keeper Ilik, setzte sich trotz Bedrängnis durch und legte butterweich quer auf Eren Albayrak. Aus kurzer Distanz drückte dieser den Ball über die Linie – sein bereits fünftes Saisontor. „Ein optimaler Zeitpunkt für uns“, freute sich Trainer Jonas Ermes später.

    Offener Schlagabtausch und starke Torhüterleistung

    In der Folge entwickelte sich ein offenes Spiel mit Möglichkeiten auf beiden Seiten. Besonders SG-Schlussmann Christian Bölker zeigte eine starke Leistung und bewahrte seine Mannschaft mit zwei glänzenden Paraden vor dem Ausgleich. Kurz nach Wiederanpfiff – erneut passend zur „Fünf“, in der 50. Minute – fiel dann doch der Ausgleich. Bernad Gllogjani verwandelte einen Angriff über die rechte Seite nach Vorarbeit von Koray Dag – ein Angriff wie aus dem Lehrbuch, sauber abgeschlossen. Nur fünf Minuten später bot sich die große Chance zur erneuten SG Führung: Melvin Musangu tankte sich stark durch, legte auf Akhabach ab, dessen Schuss von Anil Özgen mit dem Arm geblockt wurde. Es gab Elfmeter und Rot für den Dortmunder Abwehrspieler – doch Akhabach traf im Anschluss nur die Latte.

    Pfostenpech und die Erlösung in der 95. Minute

    Mit einem Mann mehr übernahm unsere Erste die volle Kontrolle. Albayrak scheiterte gleich zweimal per Kopf am Pfosten – einmal nach Flanke von Meyer, einmal nach Zuspiel von Musangu. Dazu kam ein starker Gästetorwart: Ilik im Kasten von Türkspor Dortmund wuchs in der zweiten Halbzeit über sich hinaus und vereitelte reihenweise Chancen der SG. Seine Leistung: eine glatte Eins. Doch dann kam die 95. Minute – und mit ihr Joker Luca Herrmann. Erst in der 90. Minute eingewechselt, stieg er nach einer Flanke von Daniel Tews aus dem halblinken Mittelfeld am höchsten und köpfte den Ball unhaltbar ins Netz. Wieder ein Last-Minute-Sieg, wieder pure Ekstase in der H&R-Arena. „Das ist einfach Wahnsinn. Luca hat schon gegen Münster (81. Minute) und Vreden (90. Minute) in der Schlussphase getroffen – und jetzt wieder. Er hat einfach das richtige Gespür für die entscheidenden Momente“, lobte Trainer Ermes nach Abpfiff.

    Nach dem Spiel diskutierten die Gäste noch über die Nachspielzeit mit dem Unparteiischen unter teilweise hitzigen Bedingungen. Am Ende sah der Masseur von Türkspor noch die rote Karte. Doch alles lief eigentlich regelkonform: Die angezeigten fünf Minuten waren gerade angebrochen, zudem hatte Türkspor in der Verlängerung durch Verletzungsunterbrechungen und zwei Wechsel selbst Zeit von der Uhr genommen.

    Einmal mehr bewies das Team um Jonas Ermes nicht nur Moral, Kampfgeist sondern auch wieder Nervenstärke. Man munkelt, dass sich einige Besucher nach Spielende erst mal einen Beruhigungsschnaps bestellten. 


    SG FinnBam:
    Bölker, Humberg, Musangu, Becker (88. Min. L. Herrmann), Meyer, Schelle, Chatar (67. Min. Tews), Zilz, Albayrak, Akhabach, Werlein (72. Min. Dier)

    Türkspor Dortmund:
    Isik, Öncel, Belenzada, Bingöl (45. Min. Özgen), Brämer, Akman (91. Min. Kljajic), Dogan (85. Min. Kubina), Kefkir, Calik, Gllogjani (76. Min. Khattari), Dag (90. Min. Sosa) 

    Tore: 1:0 Albayrak (7. Min.), 1:1 Gllogjani (56. Min.), 2:1 L. Herrmann (90.+5 Min.)
    Rot: Anil Özgen (56. Min. / Türkspor Dortmund) Erhan Tütenk (96./STAFF/Türkspor Dortmund/)
    Besondere Vorkommnisse: Anas Akhabach (SG FinnBam) scheitert mit Foulelfmeter an Gehäuse (57. Min.)